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Gedanken eines Zeltmachers

von Bo Hilleberg

Die Ultraleicht-Falle
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Klar, ein niedriges Gewicht ist wichtig, aber ohne sich Gedanken zu machen für was man das Zelt überhaupt verwenden will, ist das Gewicht nicht gerade ein aufschlussreicher Parameter.

Anscheinend sind immer mehr Outdoor-Enthusiasten vom Gewicht ihrer Ausrüstung besessen. Insbesondere gilt dies für Zelte. Da fällt das Gewicht als Erstes ins Auge und trägt ziemlich oft zur Kaufentscheidung bei. Für mich (und alle Mitarbeiter bei Hilleberg) ist der alleinige Fokus auf das Zeltgewicht nicht gerade der beste Weg ein Zelt zu bewerten. Klar, ein niedriges Gewicht ist wichtig, aber ohne sich Gedanken zu machen für was man das Zelt überhaupt verwenden will, ist das Gewicht nicht gerade ein aufschlussreicher Parameter.

Ein gutes Zelt für eine Polarexpedition unterscheidet sich doch sehr von dem eines Radfahrers auf Weltreise oder jemanden, der am Wochenende auf Rucksacktour geht. Dem Polarforscher und dem Radfahrer sind Haltbarkeit und Langlebigkeit wichtiger als Leichtigkeit, während der Wanderer eher ein niedriges Gewicht der absoluten Robustheit vorzieht.

Es ist wie so oft: Je höher man einen Faktor bewertet, desto mehr muss man bei den Restlichen einstreichen. Je leichter das Zelt, desto leichter die Materialien und desto geringer die Festigkeit. Und je niedriger das Zeltgewicht, desto weniger Funktionen bietet es, das sich dann unmittelbar beim Komfort niederschlägt – oder gar schlimmstenfalls unter widrigen Bedingungen weniger Sicherheit bereitstellt. Benötigst du für deine Abenteuer absolute Stärke, dann brauchst du sie auch – und da sollte das Gewicht keine Rolle mehr spielen.

Noch nie war es unser oberstes Ziel das leichteste Zelt zu bauen, sondern immer ein stabiles Zelt mit möglichst niedrigem Gewicht, das in der Lage ist seine Aufgabe zu erfüllen. Dabei bemühen wir uns immer Materialien auszuwählen, die ihrer Aufgabe bestens gerecht werden. So kann derjenige, der ein extrem robustes Zelt für z.B. seine Polarexpedition, Winterklettertour oder Weltreise mit dem Fahrrad benötigt, weiterhin ein Modell finden, das seinen Ansprüchen genügt und dabei ziemlich leicht ist. Das Gleiche gilt für den Rucksackreisenden im Sommer, dessen Zelt recht leicht und dennoch stabil genug sein soll, um auch mal ein böses Unwetter überdauern zu können.

Wenn wir ein Zelt entwerfen, ringen wir um die beste Balance zwischen unseren Leistungsansprüchen: Zuverlässigkeit, Vielseitigkeit, Handhabung, Haltbarkeit, Komfort und niedriges Gewicht. Jedes unserer Zelte trägt zu unterschiedlichen Anteilen all diese Qualitäten in sich, aber in einer zweckgebundenen Mischung.

Die Entwicklung unseres neuen Enan, dem Solozelt der Yellow Label Kategorie, zeigt ziemlich typisch wie wir neue Zeltmodelle kreieren. Ziel am Enan war, es so leicht wie möglich zu bauen - aber noch genug Reserven für alle Unwetter der milderen Jahreszeiten zu behalten.

Wir gingen vom Design des Aktos aus, da es sich seit über 2 Jahr­zehn­ten bestens unter allen Bedingungen bewährt hatte. Wir prüften neue Gewebe, die für Innen- und Außenzelt in Frage kämen.

Ebenso nahmen wir Gestänge mit kleinerem Durchmesser unter die Lupe, entschieden uns jedoch dasselbe 9mm-Gestänge wie in unserem Akto zu verwenden. Wir hätten mit dem dünneren Gestänge tatsächlich ein paar Gramm gespart, aber der Stabilitätsverlust, der sich in unseren Windmaschinentests offenbarte, war zu drastisch - und für uns inakzeptabel.

Als das Design und die Materialien beschlossen waren, ließen wir eine Reihe Prototypen für Feldtests bauen. Unsere Tester vermeldeten über 145 Nächte auf Touren in Schweden, den USA und Zentralasien mit einem breiten Wetterspektrum: von warm und luftig bis nahe dem Gefrierpunkt und starkem Wind. Nach der Auswertung führten wir, wo es nötig war, Änderungen durch. Letztendlich, nach einer Ent­wick­lungs­phase von fast 2 Jahren, sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis: ein Solozelt für den 3-Saison-Einsatz, das sehr leichte 1.1 kg wiegt und doch erstaunlich robust ist.

Sicher hätten wir das Enan noch viel, viel leichter bauen können, allerdings würde es dann nicht mehr so stabil und zuverlässig sein – eben das, was für uns Qualität ausmacht. Besonders gefallen hat mir dieser Bericht von einer Fachmesse über unser neues Enan: “Es ist nicht das leichteste Solozelt… aber bestimmt das strapazierfähigste.” (Outdoor Retailer Daily, August 2014)

Wir sind es gewohnt mit diesem kniffligen Spagat zwischen Be­last­bar­keit und niedrigem Gewicht umzugehen. Ständig überlegen wir, wie wir unsere Zelte verbessern können und entwickeln deshalb auch bereits bestehende Modelle weiter. Besonders diese Herausforderung macht mir beim Zeltbau am meisten Spaß.

Wie du dein Zelt richtig sicherst
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Eine Grundregel für Schiffe ist doch, sie grundsätzlich sturmfest zu verankern. Diese Weisheit gilt auch für Zelte, vor allem im exponierten Gelände.

Nur wenige Menschen gehen ausgerechnet bei Sturm zelten. Natürlich kalkulieren Polarexpeditionen und Extrembergsteiger schlechtes Wetter ein, doch die meisten von uns versuchen (schlauerweise) Stürmen aus dem Weg zu gehen.

Ich traf Menschen, die sich gar keine Gedanken darüber machen, wie man mit Wetterunbilden umgeht, und dann wiederum welche, die tatsächlich nicht wissen, wie sie es anstellen sollten. Aber selbst, wenn die Tour noch so sorgfältig nach der Wetterlage geplant wird, kann man von einem Unwetter überrascht werden.

Stürme sind vielfältig – von nassen, durchregneten Nächten bis zu tagelangen Schneestürmen, die einem im Zelt gefangen halten. Oft habe ich Ersteres erlebt, aber ich habe auch orkanartige Stürme im Zelt erlebt, bei denen die Stämme großer Bäume einfach wegknickten.

Da überrascht es mich sehr, dass so viele ihre Zelte aus Gewohnheit nicht gründlich sichern. Eine Grundregel für Schiffe ist doch, sie grundsätzlich sturmfest zu verankern. Diese Weisheit gilt auch für Zelte, vor allem im exponierten Gelände. Ich setzte grundsätzlich alle Heringe rund um das Zelt ein und verwende immer alle Abspannleinen, sogar bei schönstem Sonnenschein. Denn meistens schlägt das Wetter um, wenn man gerade in den tiefsten Träumen liegt. Abspannleinen bieten nicht nur mehr Sicherheit indem sie das Zelt stabilisieren, sondern sorgen auch dafür, dass man ohne störende Flattergeräusche besser schlafen kann – selbst wenn nur eine laue Brise wehen sollte. An Tunnelzelten sollte man allerdings die Abspannleinen nicht zu straff anziehen, denn so werden die Zeltbögen abgeflacht und die Gesamtstabilität gemindert.

Etwas, das viele bei ihren Überlegungen vernachlässigen, ist die Position des Zeltplatzes. Selbst wenn man das Zelt noch so sturmsicher befestigt: wählt man seine Stelle nach der schönsten Aussicht (beispielsweise auf Gipfeln oder Bergrücken), muss man in Kauf nehmen, dass man dort eher die volle Ladung Schlechtwetter abbekommen wird. Besser auf Nummer sicher gehen und eine geschützte Stelle suchen – und dann für das Panoramafoto hochgehen!

Viele verankern ihr Zelt nicht, wenn der Untergrund härter ist. Dabei muss man nur ein bisschen Erfindungsreichtum zeigen. Können vorhandene Heringe nicht einsetzt werden, kann man Abspannleinen mit Schnüren verlängern und schwere Felsbrocken als Sicherungspunkte verwenden, oder sie an quergelegten Trekkingstöcken, Kanupaddeln oder Ästen befestigen. Im Winter oder in Polarregionen kann man Schnee feststampfen, den Eispickel oder gar Eisschrauben benutzen. Ein guter Freund von uns ist professioneller Jagdführer und nimmt in der gefrorenen Tundra Kirgisistans unsere Stinger-Titanheringe zur Verankerung. Er findet, dass sie sich perfekt für diese Bedingungen eignen. Sind sie mal festgefroren, können sie leicht mit einem Hammerschlag gelöst werden.

Im Tiefschnee leisten Skier, Skistöcke oder Schneeschuhe gute Dienste. Ski benutze ich auf zweierlei Art. Die erste und einfachste Methode ist, sie aufrecht einzusetzen, und logischerweise richtig angeordnet wie übliche Heringe: Stecke die Ski mit dem Ende voran im 45° Winkel in den Schnee; mit den Kanten nach oben, damit die Abspannleinen nicht durchscheuern. Die zweite Methode ist, den Ski quer einzugraben – ideal, um an Tunnelzelten wie unseren Keron- oder Nammatj-Modellen gleich zwei Abspannleinen einer Seite gemeinsam zu verankern.

Unabhängig vom Wetter müssen auch völlig freistehende Modelle wie unser Staika, Allak oder Unna gesichert werden. Ich habe schon freistehende Zelte fortfliegen sehen, nur weil vergessen wurde, sie ordentlich zu verankern und sie dann unbeaufsichtigt waren!

Aus Liebe zur Natur
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Es gehört mit zu den schönsten Momenten in meinem Leben, irgendwo weitab von allem mein Zelt aufzuschlagen und von grandioser Natur umgeben, mein Essen zu kochen.

Ich bin schon immer gerne draußen gewesen. Als kleiner Junge hatten wir hinter dem Haus einen Wald, wo ich so viel Zeit wie möglich verbrachte. Ich saß oft stundenlang in “meinem” Wald um dem Wald um ihm zuzuhören. Eine meiner Aufgaben im Hause war es, beim Bauern nebenan Milch zu holen und im Herbst und Winter – eine dunkle Zeit in Schweden – hatte ich eine Lampe dabei, um den Weg zu finden. Wenn ich dann in der Dunkelheit die Füchse und Rehe hörte, hatte ich das starkes Gefühl, wirklich in der Wildnis zu sein; eine aufregende Sache.

Während meiner Jugend las ich viel über die frühen Entdecker und Andere, die ihr Leben in der freien Natur verbrachten. Daher war es später für mich selbstverständlich, eine Ausbildung im Forstbereich zu suchen. Während des Wehrdienstes war ich bei den Gebirgsjägern. Dort bekam ich eine wirklich gute Überlebensausbildung.Jeder musste dort seine Ausrüstung selbst tragen, sein Essen kochen und musste lernen, in den Bergen mit jeder Wetterlage zurechtzukommen.

Hier lernte ich wirklich mit der Natur zu leben. Ich entwickelte eine große Vorliebe zur Natur, zu neuen Plätzen und dem Leben unter freien Himmel. Diese Liebe hat sich bis heute gehalten. Jedes Mal wenn ich in der Wildnis bin, fühle ich eine fast überwältigende Begeisterung für die Möglichkeiten, die draußen geboten werden. Es gehört mit zu den schönsten Momenten in meinem Leben, irgendwo weitab von allem mein Zelt aufzuschlagen und von grandioser Natur umgeben, mein Essen zu kochen. Nach dem Wehrdienst wendete ich mich meiner Tätigkeit in der Forstbranche zu, aber es trieb mich immer wieder in die Berge. Ich führte dort Wandergruppen und war für Vereine tätig, was ich auch heute noch gerne mache.

Nach einigen Jahren wurde die Art meiner Arbeit immer theoretischer und ich hatte immer weniger mit der freien Natur zu tun. Im Jahre 1971 gründete ich meine eigene Firma, die Hilleberg AB. Ich verkaufte Forstmaschinen und beschäftigte mich auch mit Forstmanagement. Gleichzeitig wendete ich mich einem Gebiet zu, das ich beherrschte und liebte – dem Leben in der Natur – und fing mit der Zeltherstellung an.

Offen gestanden, mein erstes Zeltmodell ging total daneben. Ich war mit Zelten, bei denen man das Innenzelt zuerst aufstellen musste und dann das Außenzelt darüberzuziehen, überhaupt nicht zufrieden. Dies war bei Wind und Regen, wovon wir leider reichlich in der schwedischen Wildnis haben, keine gute Lösung. Ich hatte eine Idee zu einem Zelt, das mit nur einem Arbeitsvorgang stehen sollte; Innen- und Außenzelt sollten irgendwie zusammenhängen.

Wir versuchten es mit einem Material, das auf einer Seite eine dünne Schaumstoffschicht hatte. Der Gedanke war, dass dieser Schaumstoff Kondenz aufnehmen sollte.

Die Idee mit der Kondenzreduzierung funktionierte! Einige Tage zu mindest. Da man nur selten gute Möglichkeiten hat, Sachen ordentlich zu trockenen, wurde das Material so nass, dass sich der Schaum am Schluß ablöste.

Die andere Alternative war das Zusammennähen von Innen- und Außenzelt – also taten wir das. Das Giebelzelt Keb erblickte das Licht der Welt, als erstes Zelt mit gekoppeltem Innen- und Außenzelt. Dieses Modell funktionnierte ganz ausgezeichnet und verlieh der Firma einen guten Start in der Zeltfertigung. Seitdem kam das Eine zum Anderen. Wir schufen neue Modelle, hielten Ausbildungen für das Leben in der Natur ab, wurden von Expeditionen angesprochen und bekamen einen regen Kontakt zu Outdoorenthusiasten aller Art.

Durch die Anwendung unserer Zelte haben wir stets die Gelegenheit gehabt, Ver­bes­ser­ungen durchzuführen. Praktische Ausbildungen haben uns immer mit Menschen in Kontakt gebracht, denen das Handling von Zelten nicht geläufig war. Dadurch wurde unsere Auf­merk­samkeit beim Design immer wieder auf einfache Bedienung, Komfort und Zuverlässigkeit gelenkt. Ich glaube, dass unsere Kunden deutlich sehen, dass wir unsere Zelte auch selbst benutzen und uns daher ihr Vertrauen entgegenbringen.

Nach 35 Jahren bin ich immer noch genauso begeistert über das Leben in der freien Natur wie früher und mein Interesse an Ver­bes­ser­ungen hat ebensowenig nachgelassen. Der Anlaß hierzu ist schwer zu beschreiben – viel­leicht ist es das Gefühl von Freiheit, dass ich draußen erlebe, oder einfach die Erholung. Oder vielleicht nur der starke Wunsch, der Natur nahe zu sein.

Ich bin aber sicher, das die Schlichtheit des Lebens draußen die stärkste Motivation ist. Es ist ein überwältigendes Gefühl, an einem schönen Platz den Rucksack abzunehmen und ein Zeltlager einrichten zu können, um es am nächsten Tag wieder so zu verlassen, als sei ich nie dagewesen.

"Feintrimmen" deiner Ausrüstung
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Ich glaube, dass das große Angebot an hochwertiger Leichtgewichtsausrüstung viele dazu verführt, einen Überfluss an unnötigen Dingen mit sich herumzuschleppen.

Als ich in den 50er-Jahren begann in den Bergen zu wandern, war die Ausrüstung schwer und unhandlich. Die Rucksäcke waren aus dickem Baumwollgewebe und hatten schwere Stahlrohrgestelle. Als Liegeunterlage wurden Rentierfelle verwendet – an sich warm und bequem, aber schwer und sperrig. Außerdem saugten sie das Wasser auf wie ein Schwamm.

1959 leistete ich meinen Militärdienst bei den Gebirgsjägern in Kiruna. Obwohl wir dort die neueste zur Verfügung stehende Ausrüstung verwendeten, war das Gewicht nach wie vor ein Problem. Die Schlafsäcke und Rentierfälle waren zwar ausreichend warm, um selbst -40 Grad Kälte auszuhalten, sind jedoch weder leichter noch kompakter geworden. Als Wetterschutz hatten wir meistens einfache, dreieckige Stoffbahnen aus kräftiger Baumwolle.

Wir übten uns in der Kunst des Selbstversorgens hinter den Feindeslinien und trugen all unsere Ausrüstung selbst. Kiruna liegt nördlich des Polarkreises, was bedeutete, dass wir auch strengste Kälte ertragen mussten. Die dafür erforderliche Ausrüstung, plus Waffen und anderes militärisches Gerät, machten unser Gepäck oft brutal schwer.

Das war eine harte Zeit, aber ich möchte sie nicht missen. Ich bekam eine sehr gute Wildnisausbildung in rauer Wirklichkeit. Ich erkannte die Bedeutung, für mich selbst sorgen zu können, lernte zu essen und zu trinken obwohl der Körper nur noch schlafen wollte. Die wichtigste Lehre war, richtig zu packen, unnötige Sachen auszusortieren und nur das absolut Notwendigste mitzunehmen. Trotzdem wog unser Gepäck oft 35-40 kg.

Nach dem Militärdienst machte ich mit dem Outdoorleben weiter – und mit der Gepäcktragerei. Welch ungeheurer Gewichtsunterschied ohne all der militärischen Ausrüstung! Natürlich war das Gepäck verglichen mit heute immer noch schwer, lag aber trotzdem bei ”nur” 20 kg für eine einwöchige Tour im Sommer.

Noch besser wurde es Ende der 60er Jahre. , als es zur ersten wirklichen ”Leichtgewichtsrevolution” kam. Baumwollzelte wurden durch solche aus synthetischem Material ersetzt und die Rentierfelle verschwanden zugunsten von leichteren Isoliermatten. 1968 machte ich eine zweiwöchige Tour durch die Nationalparks Sarek, Padjelanta und Stora Sjöfallet in Nordschweden. Die Ausrüstung bestand aus: Zelt, Essen, Seil, Steigeisen, Kamera und alles weitere, was ich für die Tour benötigte – das Gewicht lag bei 18 kg. Das war möglich geworden dank der neuen, leichteren Materialien, die einem jetzt zur Verfügung standen. Die heutige Ausrüstung ist bedeutend leichter. Bei einer einwöchigen Sommertour wiegt mein Gepäck zwischen 15-17 kg, inklusive Zelt, Essen und allem übrigen. Im Winter komme ich mit einem Gewicht von höchstens 20 kg aus.

Obwohl moderne Ausrüstung so leicht ist, habe ich das Gefühl, dass die Leute dazu neigen, immer schwereres Gepäck zu tragen. Vor einigen Jahren schrieb ich in unserem Katalog, dass das Gepäck für eine Wochentour nicht mehr als 17 kg zu wiegen bräuchte. Ich bekam viele Zuschriften in denen gesagt wurde, dass es unmöglich sei, für eine solche Tour mit weniger als 25 – 30 kg auszukommen. Mein Rat damals war, das Eingepackte genau durchzusehen und alles auszusortieren, was nicht unbedingt nötig war. Später bekam ich viele Antworten, die Bestätigten, dass doch etwas zu viel in den Rucksäcken gelandet sei.

Leichteres Gepäck macht eine Skitour oder Wanderung nicht nur vergnüglicher, sondern macht sie auch sicherer, da man sich behänder bewegen kann und nicht so schnell ermüdet. Ist man ausgeruht, so kann man das Risiko von Verletzugen enorm reduzieren.

Es stellt sich die Frage: Warum wird das Gepäck so schwer? Ich glaube, dass das große Angebot an hochwertiger Leichtgewichtsausrüstung viele dazu verführt, einen Überfluss an unnötigen Dingen mit sich herumzuschleppen. Oftmals beruht dies auf Unsicherheit, fehlende Erfahrung oder mangelndes Wissen. Das Problem findet man selten bei denen, die viel Ausrüstung benötigen – wie Kletterer oder Fotografen - sondern eher bei denen, die glauben, dass sie nur das Notwendigste mitnehmen und trotzdem bei einem Packgewicht von 25 kg landen.

Sicher ist, dass die heutige leichte Ausrüstung wirkliche ”Grammjäger” enorm weiterhilft. Das macht sich am deutlichsten bei Multisport- und Abenteuerwettkämpfen bemerkbar. Hier ist der Leichtgewichtsgedanke zu einem neuen Extrem gelangt – von der extrem schweren Ausrüstung alter Zeiten hin zum ultraleichten Equipment heutiger Zeit. In beiden Fällen kann man jedoch sagen, dass Sicherheit und Komfort erst an zweiter Stelle standen bzw. stehen und eine solche Ausrüstung daher selten die beste Wahl für den allgemeinen Gebrauch ist.

Die Grundphilosophie bei Hilleberg ist, die Menge an Ausrüstung immer auf ein für die Tour notwendiges Maß zu reduzieren, ohne dabei Abstriche an Sicherheit und Komfort machen zu müssen. Wir haben Ausrüstungslisten erstellt, zu finden auf unserer Homepage, in der wir die Ausrüstung aufgeteilt haben in das, was absolut notwendig ist, was wünschenswert ist und was angenehm sein kann dabei zu haben aber nicht unbedingt notwendig ist. Dazu geben wir die Gewichtsspanne zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Gewicht an.

Dies bietet die Möglichkeit, sich seine Ausrüstung innerhalb des eigenen Komfortbereichs und der eigenen Gewichtsvorstellung auszuwählen. Wählt man die leichteste Alternative innerhalb des ’Notwendigen’ kann man mit ca. 12 kg für eine Wochentour im Sommer auskommen. Wählt man dagegen die schwerste Alternative kann das Gewicht leicht bei 40 kg landen.

Mit dieser Packmethode lernt man vernünftig zu packen und seine Grenzen zu erweitern, ohne unnötige Risiken einzugehen. Es hilft einem beim ”Feintrimmen” seiner Ausrüstung – um Gewicht zu sparen und um sie mehr den jeweiligen Anforderungen anzupassen. Das wiederum macht den Aufenthalt in der Natur noch angenehmer.

Entwerfen einer Zelt
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Diese Eigenschaften: in jeder Situation einfach aufzubauen, stabil genug bei jedemWetter, anwendbar zu jeder Jahreszeit und geringes Gewicht sind die Grundvoraussetzungen für jedes unserer Zelte

Ab und zu werde ich gefragt, brauchen wir wirklich so viele verschienden Zelttypen, die Hilleberg herstellt und warum sind die Modelle so wie sie sind?

Natürlich würde es vieles vereinfachen, ein Zeltmodell in einer Farbe herzustellen und alle wären glücklich. Jedoch gibt es die unterschiedlichsten Wünsche und Bedürfnisse. Ja, das ist es – warum die Zelte von Hilleberg so sind, wie sie sind. Sie beantworten die verschiedensten Vorstellungen aller Abenteurer.

Als wir in den 70ern unser erstes Zelt Keb entwickelten, suchten wir nach einer Lösung nicht jedes Mal Außenzelt und Innenzelt separat aufzustellen. Oft war das Innenzelt schon nass bevor man das separate Außenzelt zur Stelle hatte. Wir lösten das Problem indem wir Innenzelt und Außenzelt miteinander koppelten. Jetzt lies sich alles in einem Schritt zusammen aufbauen.

Die skandinavischen Berge sind zwar nicht die Höchsten, befinden sich aber meistens oberhalb der Baumgrenze. Sie prägten das Zeltdesign genauso wie wechselndes Wetter und starke Winde. Das Zelt musste nicht nur einfach aufzubauen sein, sondern sollte auch schlechtem Wetter und starken Winden standhalten und dabei sehr leicht sein. Diese Eigenschaften: in jeder Situation einfach aufzubauen, stabil genug bei jedem Wetter, anwendbar zu jeder Jahreszeit und geringes Gewicht sind die Grundvoraussetzungen für jedes unserer Zelte.

In den jungen Jahren unserer Firma machte ich viele Wintertouren mit Schlittenhunden. Die dabei gesammelten Erfahrungen bildeten die Grundlage der Entwicklung und Designs des Keron. Das es im Sommer genauso gut funktioniert wie im Winter ein willkommener Extra-Bonus! Jedoch äußerten Einige schnell den Wunsch nach einer leichteren Version.

Später äußersten alte und neue Kunden den Wunsch nach einem Vierjahreszeitenzelt welches extrem leicht, etwas einfacher aber trotzdem solide sein sollte. Diese Abenteurer machten meist Sommertrips und ab und zu einige Wintertouren. Ausgehend vom Nammatj-Design und einem Zielgewicht von 2 Kilogramm entwickelten und testeten wir auf vielen Touren das Nallo.

Mitte der 80er wurde Hilleberg unter vielen Abenteurern, Trekkern, Kletterern und Schlittenhundführern bekannt. Schwedens lange Küstenlinie mit seinen vielen kleinen Inseln ist ein Eldorado für Paddler und Kayaker. Viele benutzten das Keron, Nammatj oder Nallo dafür. Aber ein Tunnelzelt auf den steinigen Inseln aufzubauen ist oft eine Herausforderung. Es gab zwar schon freistehende Kuppelzelte auf dem Markt, aber diese waren mit separatem Innen- und Außenzelt aufzubauen.

Wir sahen den großen Bedarf nach einem freistehenden Hilleberg Zelt welches ohne Heringe aufstellbar ist, mit eingebauten Absiden und natürlich mit gekoppelten Innen- und Außenzelt. Die Entwicklung für ein solches Zelt war schon gestartet, als wir von unserem größten Kunden in Deutschland die Anfrage für genau so ein Zelt für eine Südpol-Expedition bekammen. Somit landete unser erstes Staika "unten" am Südpol und nicht in den schwedischen Schären. Auch wenn Paddler die größte Kundengruppe bildeten, erlaubt das Staika weit mehr Anwendungsmöglichkeiten als wir zuerst annahmen. Das Staika wurde so zu einem unserer bekanntesten Expeditionszelte.

Seitdem unsere Tunnelzelte in beiden Varianten erhältlich sind, Leicht und Ultra-leicht, überraschte es uns nicht, dass viele unserer Kunden ein “ultraleichtes Staika" wünschten. Es sollte leichter, ebenso freistehend, mit integrierter Abside und ohne Kompromisse bezüglich Qualität und Haltbarkeit sein. Dies brachte uns zum Allak, welches 2008 auf den Markt kam.

In den frühen 90ern fanden wir heraus, dass viele von unseren Kunden das Nallo als 1-Personen-Zelt nutzten. Wir erkannten den Bedarf nach einem richtigen Hilleberg 1-Personen-Zelt. In meiner Karriere habe ich viele Outdoorkurse gehalten und Gruppen in die schwedischen Berge begleitet. Ein Gedanke der mich auf vielen dieser Touren begleitete: Es wäre schön mein eigenes Solozelt zu haben. So trieb in diesem Fall auch eine gewisse egoistische Motivation die Entwicklung voran.

Wir entschieden uns, das Zelt sollte ein Gewicht von 1.5kg haben, alle Hilleberg-Prinzipien vereinen und ein Zelt für jede Jahreszeit zu werden. Nach einigen Jahren Entwicklung und vielen Testtouren, waren wir zufrieden und stellten das Akto vor, welches “Alleine” in der Sami-Sprache bedeutet. Ich untertreibe, wenn ich sage: “Das Akto wurde ein Riesenerfolg”.

Auf Gruppentouren oder Touren zu Zweit wünschten viele Ihr eigenes Zelt. Wie beim Staika inspirierte das Akto die Abenteurer, dieses mal Entwickelte sich ein Bedarf für ein völlig freistehendes Solo-Zelt. Dies fürte uns zu der Entwicklung der beiden Zelte, dem Unna und schließlich dem Soulo.

Das ist die “Art” wie wir Zelte entwickeln. Auch wenn ich eine Anzahl von Zeltmodellen nicht genannt habe, im Hintergrund jedes Modelles steht immer das Prinzip: Der Kunde, sein Bedarf und unsere Erfahrung aus unseren eigene Touren. Die Bedürfnisse unserer Anwender führen zur Entwicklung neuer Modelle. Wir versuchen sie immer so gut wir können umzusetzen. Es würde mich nicht überraschen, wenn dieser Trend zur Entwicklung speziell nach Anwendergruppen konstruierten Zelten wächst. Die Tatsache dass viele unserer Kunden verschiedene Hillebergmodelle ihr Eigen nennen um ihr Equipment optimal für ihre persönlichen Touren abzustimmen ist selbstverständlich eine wunderbare Tatsache für einen “alten Zelthersteller”, wie mich.

Camping mit einer Plane ab
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Gleichzeitig ist jedoch eine solche Plane, der Tarp, einfach und leicht, und man kann die Natur so unmittelbar wie selten erleben.

Hilleberg the Tentmaker ist bekannt dafür, dass wir Zelte für alle Bedingungen und Jahreszeiten herstellen. Bevor wir anfingen Zelte zu produzieren, war ich aber Forstarbeiter und verwendete oft nur eine wasserdichte Plane als Schutz. Noch dazuvor, während meines Militärdienstes, bekam ich eine einfache dreieckige Plane, die man einzeln oder zusammen mit anderen Planen verwenden konnte. Diese Art Unterschlupf bietet zwar einfachen Schutz vor schlechtem Wetter, insbesondere vor Regen, ersetzt jedoch kein richtiges Zelt. Gerade im offenen Gelände oder oberhalb der Baumgrenze ist ein richtiges Zelt als Zuflucht unverzichtbar. Eine solche Plane, das Tarp, ist leicht und gleichzeitig einfach in der Handhabung. Man kann damit die Natur so unmittelbar wie nur selten geniessen. Außerdem kann ein gutes Tarp eine sehr nützliche Ergänzung zu Zelten und ein hervorragender Gemeinschaftsbereich für Gruppen sein. Auf manchen Touren, besonders im Wald, verwende ich lieber einen Tarp – und kein Zelt – als Unterkunft.

Vor einigen Jahren habe ich mit einigen Freunden eine Kanutour in Kanada unternommen. Wir wussten, dass wir wegen der Bären unseren Schlaf- und Essbereich getrennt halten müssten. Ich nahm also ein großes Tarp aus Kerlon-Gewebe mit. In einigem Abstand von unseren Zelten machten wir ein Feuer, auf dem wir Essen kochten und direkt daneben brachten wir das Tarp an. Dieser “Freiluft-Speisesaal” war perfekt für geselliges Miteinander und war Schutz sowohl für uns als auch für die Ausrüstung. Das hat so gut funktioniert, dass wir unsere Zeltlinie um Tarps erweitert haben. Und sie erfreuen sich großer Beliebtheit.

Und auch wir verwenden Tarps häufig auf unseren Touren. Sie sind eine hervorragende Alternative für “gewichtsbewusste” Reisende. Durch die unvergleichliche Aussicht kann man sich ideal in die Umgebung “integrieren”. Ich habe ein Tarp zusammen mit dem neuen Netz-Innenzelt ausprobiert. Die Insekten kommen nicht rein, aber der luftige Komfort und die Rundumsicht des Tarps bleiben erhalten.

Wenn man mit einem Tarp campt, sollte man irgendeinen Schlafsackschutz verwenden. Ich habe unseren Bivanorak mitgenommen, da Schlafsack und Isomatte hineinpassen und ich mich beim Wandern während kurzer Pausen vor Wind (oder schlechtem Wetter) schützen kann. Für mich ist der Bivanorak beim Winter-Tarp-Campen unverzichtbar. Zum einen wird mein Schlafsack nicht feucht und zum anderen kommt kein Schnee zwischen Schlafsack und Isomatte.

Obwohl ich im Winter fast immer das Zelt nehme, bieten Tarps auch einzigartige Erlebnisse. Ich mag besonders das, was man im Schwedischen “nying” nennt. Man macht ein Feuer, das die ganze Nacht über brennt und mit etwas Abstand bringt man dahinter schräg das Tarp an. Zwischen Feuer und Tarp legt man dann Schlafsack und Isomatte. Das Tarp funktioniert als Wärmerefelktor und so hat man es selbst in kalten Nächten warm und behaglich. Tarps sind auch praktisch in Schneehöhlen – beim Versiegeln von Spalten zwischen einzelnen Schneeblöcken – oder als Schutzdach über kleineren Schneelöchern.

Außerdem sind Tarps für mich ein wunderbares Zubehör beim Zelten. In Bären-Gebieten sind sie unverzichtbar, da man sich einen “Küchen- und Speisebereich” abseits vom Zelt einrichten kann. Bei Touren in der Gruppe bieten sie Raum für geselliges Miteinander. Sie können zwischen zwei Zelten aufgehängt werden und dienen so als offenes "Wohnzimmer". Macht man auf langen Wandertouren Rast, kann man sie schnell als Wind- oder Regenschutz aufstellen. Mit Tarps kann man außerdem einfach den Apsidenbereich vergrößern oder einen überdeckten “Patio” für das Zelt schaffen. Ein Tarp über dem Zelt bietet zusätzlichen Schutz gegen UV-Strahlen, wodurch sich die Lebensdauer des Zelts verlängert.

Natürlich haben Tarps ihre Grenzen, besonders bei starken Wind. Ich kann sie auf keinen Fall für das Übernachten oberhalb der Baumgrenze oder in ungeschütztem Gelände empfehlen. Aber selbst hier – wo Tarps nicht optimal sind – sind sie doch besser als nichts. Als ich jung war, wanderte der Älteste eines Sami-Stammes und ich zu einem entlegenen See in den Bergen, um dort zu angeln. Er meinte, dass wir kein Zelt brauchen, da es einen “Unterschlupf” am See gäbe. Dieser bestand nur aus ein paar Plastikplanen und er erklärte mir, dass man “unterschlüpft”, indem man sich auf die Planen legt, eine Kante greift und sich wie ein Burrito darin einwickelt. Dieses “System” war zwar wasserdicht und warm, ließ jedoch bei der Kondensation einiges zu wünschen übrig. Es war aber tatsächlich besser als nichts!